„Berlin – Tag & Nacht“: Mrs. Nina Chartier und ihr Weg von der Subway-Mitarbeiterin zum TV-Star
Mrs. Nina Chartier erreicht auf Tiktok Hunderttausende Fans. Bekannt geworden ist sie durch die RTL2-Show „Berlin – Tag & Nacht“. Ihr Aufstieg war rasant.
Lüdenscheid – Oft verrückte Frisuren, bunte Haare und riesengroße Tunnel in den Ohren. Dazu Tattoos am ganzen Körper. „Ich bin halt schon so eine Verrückte“, sagt Nina Menke über sich selbst. Wenn die 33-Jährige durch die Lüdenscheider Innenstadt spaziert, falle sie nicht selten auf. Dabei ist es gerade diese schrille, authentische Art, mit der sie aus der Masse heraussticht. Mit der sie durchaus mal anecken könnte – und die ihr schließlich zum Erfolg verhalf. Ihre Geschichte ist eine besondere: nicht vom Tellerwäscher zum Millionär. Wohl aber von der Subway-Mitarbeiterin zum Fernsehstar.

Wie kam es aber dazu? Geboren und aufgewachsen ist Nina Menke im Ruhrgebiet, genauer gesagt in Duisburg. „Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Mein Vater war Steiger unter Tage.“ Ihre Mutter stirbt, als sie gerade fünf Jahre alt ist. „Das war für mich schon ein einschneidendes Erlebnis“, sagt sie rückblickend. Sie fängt bald darauf an zu rebellieren. Mit der Zeit entdeckt sie die Musik für sich. „Ich war im Schulchor aktiv und hatte dort eine Hauptrolle“, erzählt sie.
Überraschende Anfrage: Serienstar blieben nur elf Tage für Umzug nach Berlin
Mit 18 Jahren habe sie dann das erste Mal eigene Songtexte geschrieben. Ihre musikalischen Idole sind damals Deutschrap-Größen wie Bushido oder Samy Deluxe. Mit der heutigen Deutschrap-Industrie könne sie nicht mehr viel anfangen. „Es ist nur noch Phrasendrescherei“, findet sie. Und dennoch spiele Musik für sie weiterhin eine große Rolle. Sie sei „eine Art Therapie“, um die Vergangenheit aufzuarbeiten.
Ein klassischer Bürojob sei für Menke nie in Frage gekommen. „Eher etwas Künstlerisches.“ Drum arbeitet sie unter dem Künstlernamen Mrs. Nina Chartier seinerzeit an ihrer Rap-Karriere. Gleichzeitig ist sie im Hauptberuf Verkäuferin bei der Fast-Food-Kette Subway. Und dann geht plötzlich alles ganz schnell.

2015 erscheint ihre erste EP „Chartier is the Limit“. „Was ich mir bei dem Titel gedacht habe, weiß ich auch nicht“, bemerkt Menke und kann sich das Lachen nicht verkneifen. „Wir haben sie mehr oder weniger im Keller eines Freundes in Duisburg produziert.“ Bald darauf wird das Berliner Label „Keine Faxen“ auf sie aufmerksam und nimmt sie unter Vertrag. „Ich hatte damals eine Abmachung mit meinem Vater: Ich hatte ein halbes Jahr Zeit, um einen Plattenvertrag zu kriegen“, sagt sie und hält kurz inne. „Ich habe nur drei Monate gebraucht.“
Damit sollte ihr rasanter Karriereweg jedoch noch längst nicht enden. 2016 wird ihr Album „Trittschall“ veröffentlicht. „Ein Jahr später kam dann auf einmal die Anfrage von ‚Berlin – Tag & Nacht‘“, erzählt sie. „Sie wollten eine Kurzgeschichte mit der Hauptrolle ‚Krätze‘ auf seinem Hausboot erzählen und brauchten dafür noch eine Rapperin.“ Nach der Zusage bleiben ihr gerade einmal elf Tage Zeit für ihren Umzug nach Berlin. „Es war sehr turbulent. Ich habe mich einfach mit meinen zwei Koffern in den ICE gesetzt.“ Und, fügt sie noch hinzu: „In so kurzer Zeit eine Unterkunft in Berlin zu finden, war gar nicht so einfach.“
Vor der Kamera spielt Nina Menke die Sabrina Ostrowski. Ihre Rolle kommt bei den Zuschauern gut an. Aus einer ursprünglich für vier Monate geplanten Nebenrolle wird eine Langzeithauptrolle. „Sabrina war eine fiktive Rolle“, sagt sie. „Etwas frecher und vorlauter als ich, aber dennoch sehr nah an mir dran.“ Das habe vor allem einen Vorteil gehabt, sagt Menke aus heutiger Sicht: „Ich konnte mein freches Mundwerk, meine Ruhrpottschnauze, gut ausleben.“
Durch „Berlin – Tag & Nacht“: RTL2-Serie sorgte für großen Musik-Hype
Bei ihren Auftritten als Rapperin in der Serie verwendet sie ihren eigenen Künstlernamen, kann als Mrs. Nina Chartier ihre Musik vor einem nationalen Publikum präsentieren. Außerdem werden ihre Songs im Werbeprogramm gespielt. „Auf einmal war ich mit meinem Album in den Top-50 der Deutschen Hiphop-Charts.“ Ihr Song „M.N.C.“ sorgt für einen Hype, der in einer deutschlandweiten Clubtour endet. „Was da passiert ist, habe ich erst realisiert, als es vorbei war. Das war für mich absolut surreal.“
Nach Uneinigkeiten mit ihrem Plattenlabel unterschreibt Menke 2019 bei El Cartel Music, dem sendereigenen Musiklabel, mit dem sie bis 2021 zusammenarbeitet. Bei „Berlin – Tag & Nacht“ wird ihre Rolle auserzählt. „Ich bin immerhin nicht gestorben“, scherzt die heute 33-Jährige. Doch auch nach dem Ende ihrer Serienkarriere habe der Sender sie „nicht hängen lassen“. Denn: „Als Hauptdarstellerin verdient man nicht schlecht. Dementsprechend hatte ich auch meinen Lebensstandard angepasst.“ Drum wechselt Menke noch für ein halbes Jahr als Regie-Assistentin hinter die Kamera. „Eine bestimmte Qualifikation hatte ich dafür nicht“, sagt sie. „In der Hinsicht ist der Sender sehr, sehr menschlich mit mir umgegangen.“
Inzwischen lebt Menke seit fast zwei Jahren im Grenzgebiet zwischen Lüdenscheid und Schalksmühle – ein starker Kontrast zum Großstadtleben in Berlin. 2024 ist sie mit ihrem damaligen Partner dorthin gezogen. Langfristig wolle sie aber ohnehin nach Zypern auswandern, „bis spätestens 2030“. Mit 330 Tagen Sonne im Jahr könne die Bergstadt schließlich nicht mithalten.
Ihr Geld verdient sie als Influencerin. Dafür sei sie „sehr dankbar“, auch wenn der Beruf mit mehr Arbeit verbunden sei, als die meisten denken. „50 bis 60 Stunden pro Woche, und das seit sechs Jahren. Ohne Urlaub.“ Auf Tiktok folgen ihr mehr als 400.000, auf Instagram mehr als 160.000 Menschen. „Es ist eine Mischung aus meinem persönlichen Videotagebuch, Produktempfehlungen und ganz viel Realtalk“, sagt sie. Dabei nutze sie ihre Reichweite auch gerne, um Menschen in schwierigen Situationen zu unterstützen.
Und auch ihre Musik komme nicht zu kurz. Nach längerer Pause erschienen Ende 2025 ihre beiden neuen Singles „Seele“ und „Von Oben“. „In den nächsten Jahren möchte ich intensiv Musik machen“, sagt Menke. Anfang Februar solle voraussichtlich ihre nächste Single mit dem Titel „In deinem Bett“ erscheinen. Mehr wolle sie jedoch noch nicht verraten. Es solle schließlich spannend bleiben – „auch für meine Community“. Die sei für sie „wie meine beste Freundin“. Eine Rückkehr ins Fernsehen schließt sie ebenfalls nicht aus. Aber: „Bei manchen Reality-TV-Shows würde ich direkt die Delfintherapie mit verhandeln.“
Nina Menke ist nicht der einzige ehemalige „Berlin – Tag & Nacht“-Star mit Lüdenscheid-Bezug. Auch Falko Ochsenknecht, besser bekannt als „Ole ohne Kohle“, stammte aus der Bergstadt. 2024 starb er überraschend im Alter von gerade einmal 39 Jahren.