Deshalb überzeugt die neue Staffel „Der Bergdoktor“ trotz Schwächen

Der Bergdoktor, Staffel 19: Ein Anruf bringt die Welt von Dr. Martin Gruber (Hans Sigl) ins Wanken. Wie wird Karin Bachmeier (Hilde Dalik) auf die Neuigkeit reagieren?

Genießen einen Moment der Ruhe: Martin Gruber (Hans Sigl) und seine Frau Karin Bachmeier (Hilde Dalik) vor dem typischen Bergdoktor-Mercedes. © Sabine Finger Fotografie/ZDF und Sabine Finger Fotografie

Die 19. Staffel der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ hielt für Fans Höhen und Tiefen bereit. Sie endet mit einem emotionalen Paukenschlag.

Die einen lieben ihn, die anderen halten ihn für Alte-Leute-Fernsehen: Als „Der Bergdoktor“ rettete Martin Gruber (Hans Sigl) seit Anfang Januar im ZDF wieder zahlreichen Patienten das Leben. Am kommenden Donnerstag findet die 19. Staffel mit der Folge „Wiedersehen“ ihren Abschluss (20.15 Uhr/ZDF). Hinter dem Publikum liegen emotionale Wochen. Von Verzweiflung und Angst bis zu zarten Gefühlen und liebevoller Unterstützung bot die Serie wieder einmal einiges an. Wir haben fünf Gründe gesammelt, warum wir die Staffel für gelungen, aber nicht bahnbrechend halten.

1. Ein Publikumsliebling holt sich verlorene Sympathiepunkte zurück:

Eigentlich zählt Lilli Gruber (Ronja Forcher), die Tochter des Bergdoktors, mit ihrer direkten und selbstbewussten Art zu den beliebtesten Figuren der Serie. In der aktuellen Staffel wirkt ihr Handeln phasenweise allerdings wenig nachvollziehbar.

Nachdem Staffel 18 durch den Tod von Rolf Pflüger, einem engen Verwandten der Familie Gruber, mit einem Paukenschlag geendet hatte, beginnt die Folgestaffel mit Hickhack zwischen Lilli und ihrer Tante Caro Pflüger (Barbara Lanz). Beide wollen Rolf Pflügers Firma übernehmen. Vom großen Krach wendet sich das Blatt zwar zur überraschenden Zusammenarbeit der beiden, allerdings nicht ohne unnötige Alleingänge von Lilli.

Durch ihre Arbeit lässt sie außerdem die Beziehung zu Freund David schleifen. Schließlich steht Lilli aber zu ihren Fehlern. Sogar dann, als ein von ihr indirekt mitverschuldeter Unfall eines Mitarbeiters die Existenz der Firma bedroht.

Der Bergdoktor, Staffel 19: Während Lilli Gruber (Ronja Forcher, l.) wegen des Unfalls ihres Mitarbeiters ein schlechtes Gewissen plagt, versucht Caro Pflüger (Barbara Lanz, r.) einen klaren Kopf zu bewahren, um dem Landhandel vor einem wirtschaftlichen Schaden zu bewahren.
Werden trotz Schwierigkeiten ein eingeschworenes Duo: Lilli Gruber (Ronja Forcher, links) und Caro Pflüger (Barbara Lanz) buhlen um den Landhandel. © Sabine Finger Fotografie/ZDF und Sabine Finger Fotografie

2. Ein Kuss entzweit die Familie nicht:

Die Liebe fällt hin, wo sie nun mal hinfällt – und löst damit in vielen typischen ARD- und ZDF-Produktionen vorwurfgeladene Streits zwischen Figuren aus. Nicht so in der 19. Staffel von „Der Bergdoktor“: Josie (Lieselotte Voß), die Tochter von Dr. Grubers Frau Karin Bachmeier (Hilde Dalik), verliebt sich in Lillis Partner David, er verguckt sich trotz Beziehung auch in sie. Dass sich die beiden regelmäßig in Dr. Grubers Praxis sehen, weil David dort arbeitet und Josie Patientin ist, hilft da nicht.

Langsam kommen sie sich näher, bis David einen Kuss zu spät die Reißleine zieht. So daneben das ist, so erfrischend unaufgeregt wird der Vorfall danach behandelt. Dr. Gruber und seine Frau reagieren unerfreut, aber recht gelassen. Seinem Mitarbeiter macht der Bergdoktor keine Szene und bewegt ihn anderweitig zum Versuch einer Aussprache mit Lilli. Das Angenehme dabei: Niemand verurteilt Josie und David für ihre Gefühle.

3. Etwas Wichtiges fehlt:

„Ich vermisse sie“, sagt Grubers Freund Dr. Alexander Kahnweiler (Mark Keller) in Folge fünf mit wehmütiger Stimme. Damit meint er nicht seine Frau Dr. Vera Fendrich (Rebecca Immanuel), sondern die täglichen Telefonate mit seinem (einzigen) Freund. Die führt zeitweise nämlich seine neue Assistentin.

Das erschwert nicht nur die sonst so unrealistisch unkomplizierten Terminabsprachen für Krankenhausuntersuchungen von Dr. Grubers Patienten. Es lässt den begeisterten Fan auf dem Sofa auch mit einem Gefühl von Unvollständigkeit zurück.

Der Bergdoktor, Staffel 19: Beruflich und privat können sich Dr. Martin Gruber (Hans Sigl, r.) und Dr. Alexander Kahnweiler (Mark Keller, l.) aufeinander verlassen.

Weniger Zeit zu zweit: Alexander Kahnweiler (Mark Keller, links) und „sein einziger Freund“ Martin Gruber (Hans Sigl) telefonieren dank Kahnweilers neuer Assistentin seltener miteinander. © Sabine Finger Fotografie/ZDF und Sabine Finger Fotografie

4. Lisbeth Gruber blüht auch als Nebenfigur auf:

Eine große eigene Geschichte bekommt die Mutter von Martin und Hans Gruber (Monika Baumgartner) dieses Mal nicht. Ihre Beschäftigung mit dem Tod nach den Ereignissen um Rolf Pflüger bleibt zum Glück ohne dramatisches Ende. Stattdessen tritt Lisbeth Gruber erfolgreich als Verkupplerin für ihren Sohn Hans Gruber (Heiko Ruprecht) in Erscheinung. Lisbeth Grubers liebevolle Unterstützung steht stellvertretend für viele herzliche Bindungen zwischen den Figuren, die Staffel 19 ausmachen.

5. Dr. Gruber wird im Finale ein Tiefschlag versetzt:

Wer bis zur Folge sieben geschaut hat, der weiß: Grubers Ex Franziska Hochstetter (Simone Hanselmann) hat sich mitsamt ihrem gemeinsamen Sohn Johann angekündigt. Beim sonst so tiefenentspannten Bergdoktor löst das verständlicherweise große Anspannung aus. In den letzten Minuten des Finales deutet sich dann etwas an, das ihm sichtlich das Herz zerreißt. Und dem Zuschauer gleich mit.